In den USA fliegen wir, um Geld zu verdienen. In Europa fliegen wir, um zu fliegen
In den USA verdienen die Fluggesellschaften ihr Geld nicht mit dem Verkauf von Tickets, sondern mit dem Verkauf von Punkten. Ja, Sie haben richtig gelesen. Fluggäste [...]

In den USA verdienen die Fluggesellschaften ihr Geld nicht mit dem Verkauf von Tickets, sondern mit dem Verkauf von Punkten.
In diesem Artikel:
Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Fluggäste sind ein "notwendiges Übel", um die eigentliche Geldmaschine zu füttern: die Kundenbindungsprogramme. Und nein, das ist keine Übertreibung.

Quelle VisualApproach
Nach einer Analyse von Visual ApproachDie großen amerikanischen Fluggesellschaften - Delta, American, United - haben bei der Beförderung von Passagieren keine operativen Gewinne erzielt. Vielmehr machen sie Verluste. Trotzdem schreiben sie in ihren Bilanzen schwarze Zahlen. Und warum? Weil sie vor langer Zeit eine ebenso einfache wie geniale Wahrheit erkannt haben: Meilen sind nicht nur zum Fliegen da, sondern auch zum Sammeln. Eine Menge.
Miles als Währung
Jedes Mal, wenn ein Passagier in Amerika seine Kreditkarte zückt, um einen Kaffee, ein Abendessen oder ein Paar Schuhe zu bezahlen, füttert er das Ökosystem der Fluggesellschaften. Denn diese Karten - die berühmten Co-Brands wie Amex Delta oder Citi AAdvantage - kaufen Meilen von den Fluggesellschaften, geben sie an die Kunden weiter und zahlen im Gegenzug Hunderte von Millionen Dollar pro Jahr.

Die Meilen sind also nicht mehr eine "Belohnung" für Vielflieger, sondern ein finanzieller Wert, eine Währung. Und in der Bilanz werden sie zu einer echten goldenen Gans. So sehr, dass das Fliegen inzwischen fast zweitrangig geworden ist. Das Fliegen dient nur dazu, die Existenz von Treueprogrammen zu rechtfertigen.
Und in Europa?
In Europa hingegen sind wir ein wenig... romantischer geblieben. Die Meilen werden durch Fliegen gesammelt. Und wenn es gut läuft, mit einigen Partnern (Züge, Hotels, Shopping).
Ja, es gibt Kreditkarten, mit denen Sie Punkte sammeln können, aber das hat nichts mit den USA zu tun: Dort bekommt man 1 Punkt pro Dollar, hier alle 1 oder 2 Euro, aber nur für bestimmte Ausgaben und oft mit tausend Einschränkungen. Der Fehler (oder das Verdienst) der europäischen Vorschriften, die eine Obergrenze für Bankgebühren vorsehen.
Und in der Tat sind die europäischen Kundenbindungsprogramme keine Geldmaschinen. Lufthansa mit Miles & More, Air France/KLM mit Flying Blue, British mit Executive Club: Das sind Programme für Menschen, die tatsächlich fliegen, nicht für solche, die im Supermarkt einkaufen.
Das Paradoxon

Und hier kommt das Paradoxon: Amerikanische Meilen sind weniger wertaber Amerikaner sammeln viel mehr. Europäische Meilen sind mehr wert (bestimmte Flying Blue- oder Iberia-Sweetspots sind pures Gold), aber das Sammeln von Meilen ist mühsam. In der Praxis: In den USA schwimmen Sie in Millionen von Punkten, aber es wird immer komplizierter, sie auszugeben. In Europa sind sie eher schweißtreibend, aber wenn sie benutzt werden, sind sie wenigstens zufriedenstellend.
Wer hat wirklich etwas davon?

In den USA verdienen die Unternehmen eine Menge Geld. Sie machten ihre Programme zu Privatbanken und Co-Branding-Karten zu Gelddruckern. Der Kunde? Auch er, solange er die Tricks kennt und seine Karten richtig ausspielt. Aber angesichts der sich ständig ändernden Regeln und Prämientabellen, die es nicht mehr gibt, braucht man ein gutes Auge und Geduld, oder man folgt dem Penner und Instrumente wie das Ausbildungszentrum zu nutzen.

In Europa hingegen verdienen die Unternehmen weniger Geld. Aber der echte "Vielflieger" - derjenige, der aus beruflichen oder privaten Gründen häufig fliegt - kann immer noch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erhalten.
Die Zukunft?
Einfach: Europäische Kundenbindungsprogramme orientieren sich an ihren amerikanischen Verwandten. Die Zahl der Co-Branding-Karten nimmt zu. Der Status wird zunehmend durch Ausgaben erworben. Und selbst hier besteht die Gefahr, dass das Sammeln von Punkten einfach wird... aber das Ausgeben ein Alptraum.
In der Zwischenzeit hat der durchschnittliche europäische Reisende immer noch Schwierigkeiten zu verstehen, wie das alles funktioniert. Doch selbst auf unsere eigene kleine Art und Weise kann man mit ein wenig Strategie weit fliegen und wenig ausgeben. Man muss nur wissen, wo man suchen muss. Und vielleicht dem Penner folgen.




